Bentotasche nähen für Dummies

Nachdem ich auf ein Thema in einem Forum gestoßen bin, in dem Bentotaschen unter anderem ein Thema sind und mich die ganzen selbstgenähten Werke derart angesprochen haben, hat es mich kurzum auch gepackt.

Kurzum habe ich mir dann neuen Stoff besorgt, dazu eine Kordel (am besten 3 m)und passendes Nähgarn (maschinengeeignet und in der gleichen Farbe wie der Stoff bzw. eine zum Stoff passende). Es ist meine erste Tasche dieser Art, vor allem das erste Mal eine Tasche mit Schlaufenzug.
Leider bin ich nicht besonders professionell ausgerüstet, was die Arbeitsmaterialien angeht, aber selbst mit einfachen Dingen, die so gut wie jeder im Haus hat, lässt sich doch so einiges zaubern. Aus diesem Grunde wurde auch schnell beschlossen, dass das erste Projekt auch ein Tutorial für „Dummies“ bzw. Anfänger werden soll, dass einen anhand der Fotos ermöglichen und motivieren soll, so eine Tasche selbst zu nähen.

Meine Textillehrerin in der Realschule damals hat immer gesagt, dass man theoretisch einfach nur Schere, Nadel und Faden, bestenfalls eine Nähmaschine benötigt, um die besten Ergebnisse zu erhalten und so haben wir dann auch unter anderem gelernt: Arbeite mit dem was du hast. Man muss nicht professionell arbeiten, um Nähen zu können. Improvisation ist alles, was es bedarf.

Um es nun zu einem Ende zu bringen: Hier kommt das idiotensichere Tutorial für eine Bentotasche. Viel Spaß und がんばって!

 

Was man für den ersten Schritt benötigt:

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Schritt 1

Papier (für das „Schnittmuster“), Geodreieck und/oder Maßband (um die Box abzumessen und das „Schnittmuster“ aufzuzeichnen), Schere, Stifte, Klebeband und die Box selbst.

Zunächst messen wir die Box ab und nehmen folgende Maße: Länge (also wenn sie quer steht von links nach rechts 😉 ), Breite (von vorne nach hinten) und die Höhe (von oben nach unten).
Danach kleben wir (sofern es DINA4-Papier ist) die Blätter zusammen und schreiben zur besseren Übersicht auf eine Ecke die Maße auf. Nun gehts an Zeichnen:
Zunächst wird der Boden aufgemalt, von dem geht nämlich alles aus.
Ein wenig einfacher: Box aufs Papier stellen und einfach um den Boden herum den Umriss malen.
Im Anschluss zeichnen wir nun ein Viereck an jede Seite, welches die Höhe der Box enthält.

Das sieht dann so aus:

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Schritt 2

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Schritt 3

Nun tragen wir der Übersicht halber nochmal die Maße ein; anschließend werden nochmal 2 cm Nahtzugabe dazugerechnet sowie 6 cm für den Tunnelkanal:

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Schritt 4

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Schritt 5 - Alles

Man muss bedenken, dass die 6 cm für den Tunnelkanal am Ende „nur“ noch 3 cm sind, denn wir schlagen ja den Teil, der den Kanal bilden soll, um. Verwendet ihr eine dünnere Kordel, reichen meist auch 4 – 5 cm. Ich habe für meine Nähte allerdings ein bisschen mehr Stoff veranschlagt, da ich die Stoffenden nicht umsäumen, sondern umschlagen wollte; das heißt, eine doppelte Schicht auf den Nähten zu haben.

 

Nun zeichnen wir von Ecke zu Ecke Linien, sodass ein Viereck entsteht, das wir ausschneiden und dann auf dem Stoff feststecken und drumherum ausschneiden:

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Schritt 6

Sofern ihr einen zweiten Stoff innen benutzen wollt, müsst ihr nun die Ränder nach innen knicken, die für den Schlaufenkanal gedacht waren. So habt ihr automatisch die Maße, die ihr für das Innenfutter benötigt. Und wieder: feststecken, ausschneiden. Falls es schräg wird, macht euch keine Sorgen! Dafür sind dann die Nähte da. Damit wird alles gerade genäht.

Nachdem nun alles ausgeschnitten ist, fangen wir mit dem Umsäumen an. Eine leichte Angelegenheit. Zuerst dreht ihr nämlich die Außenseite zum Tisch hin, sodass ihr auf die Innenseite des Stoffes schaut (die meist auch die blassere ist) und misst 2 cm an jeder Seite von dem Außenstoff ab und schlägt diese dann in der Mitte um, sodass ihr einen 1 cm breiten Streifen habt.
Nun nehmt ihr Stecknadeln und steckt den Streifen fest; am besten immer da, wo der Stoff aufhört, dann könnt ihr euch am Rand orientieren, damit es gerade bleibt beim Nähen.

Um es euch zu vereinfachen, bügelt ihr die umgeschlagenen Streifen. Damit liegen sie besser und es fällt euch nochmals leichter, eine gerade Naht / einen geraden Saum zu zaubern, von der / von dem jeder begeistert sein wird =o) :


Nach dem Bügeln:

Nun ist alles wunderbar flach und verändert nicht mehr so schnell die Position.

Im Anschluss öffnet ihr die plattgebügelten Streifen wieder und legt den Innenstoff (mit der Außenseite zu euch, sodass die Innenseiten der Stoffe nun aneinanderliegen) etwa mittig auf den Außenstoff …:

… und schlägt den Außenstoff nach innen:

Und nun wird der Saum genäht.
Anmerkung: Wenn ihr eine sichere Naht haben wollt, dann näht ein kleines Stück in die richtige Richtung, dann das gleiche Stück wieder zurück und anschließend wieder in die Richtung, in die genäht werden soll. Das wiederholt ihr dann am anderen Ende ebenso. So ist die Gefahr geringer, dass die Nähte wieder aufgehen.

Wenn ihr wollt, könnt ihr zwei Mal die Naht nähen, sodass die Naht / der Saum eine gewisse Stabilität erhält.

Nun näht ihr die beiden übrig gebliebenen Enden des Außenstoffes ein ganz kleines bisschen um, sodass der Tunnelkanal durch die häufige Benutzung später nicht ausreißen kann, falls der Stoff ausfransen sollte. Alternativ könnt ihr, wie weiter oben schon erwähnt, die Stoffenden umsäumen.

Nun wird der Tunnelkanal genäht. Dafür legt ihr den Stoff so, dass eine Tunnelgröße von 3 cm entsteht; das heißt, die Fläche der Außenseite, die nun zurückgelegt wurde, sodass sie nun innen ebenfalls zu sehen ist, beträgt 3 cm Länge. Ihr geht hier genauso wie bereits bei den Säumen vor: An Anfang und Ende näht ihr einmal vorwärts, rückwärts und dann vorwärts bis zum Ende durch, um die Nähte zu stabilisieren. Die Stecknadeln befinden sich hierbei ganz am Rande der Naht und die zukünftige Innenseite der Tasche blickt euch an.

Hier zu sehen:
Obere Hälfte: Ungenäht; noch mit Stecknadeln gesteckt
Untere Hälfte:  Bereits genäht und gesäumt

Nun wird der Stoff auf der Hälfte gefaltet, sodass die Innenseite nach außen schaut. Hierbei liegen die Nähte an den Seiten und der Kanal oben. Nun werden die Seiten festgesteckt:

Nun näht ihr vom Boden aus nach oben, aber nicht bis ganz nach oben!
Schätzt, wie groß der Abstand wäre, würde noch ein zweiter Kordelkanal unter dem ersten liegen und näht bis zu dieser Stelle. Das sieht nicht nur hübscher aus, sondern erleichtert euch später, die Bentobox in die Tasche zu setzen.
Auf dem Foto sieht es so aus, als ob die eine Hälfte höher sei als die andere. Ist sie auch. Solange aber die Unterschiede nicht zu groß sind, könnt ihr das tolerieren. Es wird später nicht nur nicht auffallen, sondern durch den Kordelkanal auch ein wenig kaschiert.

Hier habe ich die Tasche nach dem Nähen umgekrempelt, damit ihr sehen könnt, wie sie aussehen sollte, wenn ihr alles halbwegs richtig gemacht habt:

Da unsere Box ja quadratisch ist und auch gerade in der Tasche stehen soll, machen wir den Boden einfach auch quadratisch. Auch wenn es eines der kompliziertesten Schritte ist, lasst euch nicht abschrecken. Nach kurzem Ausprobieren habt ihr den Dreh raus und werdet darüber lachen können, wie einfach der Trick für einen quadratischen Boden doch ist!
Hierfür krempelt ihr die Innenseite wieder nach außen und dreht die fast fertige Tasche so zu euch, dass ihr auf die Seitennaht blickt, der Boden schaut nach oben.
Nun drückt ihr von oben den Boden leicht herunter und die Naht, auf die ihr blickt, leicht nach oben. Der Boden müsste sich jetzt schon von alleine ein wenig verbreitern.
Wenn ihr das geschafft habt, misst ihr von der Spitze in gerader Linie 6 cm ab und macht euch an dieser Stelle einen kleinen Strich mit einem Stift für Stoff (alternativ steckt ihr auch einfach eine Stecknadel quer rein und versucht eine gerade Linie zu stecken). Von dieser Stelle nach links und rechts ausgehend, macht ihr euch kleine Punkte oder Striche in gerader Linie, damit ihr später wisst, wo ihr langnähen müsst. Danach wird unterhalb der Linie festgesteckt.

Achtet bitte auf die Rückseite! Plättet die Naht, wenn ihr mit dem Feststecken in der Mitte seid! Faltet die Naht auseinander und steckt sie ausgestreckt fest.

Nun wird brav an der Linie entlang genäht.

Das wiederholt ihr auch an der anderen Seite. Das sieht dann so aus:

Nun dreht ihr die Tasche auf die andere Seite, sodass ihr die Naht anschaut. Ihr werdet feststellen, dass euch eine Spitze anschaut. Diese könnt ihr einfach plattdrücken. Im nächsten Schritt wird sie dann fixiert. Wartet’s ab! =)

Und hier wird sie versteckt und fixiert! Ihr habt zwei Möglichkeiten, die Spitzen zu befestigen: Entweder an den Seiten der Tasche, sodass man keine Naht sieht, wenn man von oben in den Beutel schaut oder die Spitzen werden am Boden fixiert, so seht ihr aber stets die Naht, wenn ihr hineinblickt. Ich finde, die Fixierung an den Seiten ist idealer, denn man wird sich nicht ärgern müssen nach einiger Zeit, sie immer sehen zu müssen.

Die Spitze könnt ihr per Hand festnähen oder mit der Maschine. An dieser Stelle solltet ihr aber sehr, sehr sorgfältig sein, wenn ihr nicht wollt, dass man die Stelle außen sieht, an der ihr die Spitze festgenäht habt. Das heißt also: Legt die Naht der Spitze so genau wie möglich auf die Naht der Taschenseite und denkt daran, die Spitze der Ecke plattgedrückt zu halten.
Eventuell müsst ihr eure Maschine beim Durchstechen unterstützen. Bleibt so gut wie nur an einer Stelle und bewegt euch nur minimal mehrmals nach vorne und hinten.

Sofern ihr sorgfältig gearbeitet habt, sieht man von außen nichts:

Nun krempelt die Tasche um, sie ist nun fast fertig! Ihr seid ganz nah dran!

Jetzt fehlt nur noch die Kordel, die den Beutel später zuzieht. Die 3 m lange Kordel halbiert ihr zunächst. Hiernach knickt ihr ein Ende ein bisschen um und steckt eine Sicherheitsnadel durch und schließt diese. Sie wird euch helfen, die Kordel durch den Kanal zu befördern.
Je größer die Nadel, desto leichter und schneller wird es gehen. Leider hatte ich hier nur eine kleine Nadel zur Auswahl.

Ihr schiebt die Nadel nun ein Stück in den Kanal. Um die Nadel voranzubringen, haltet ihr sie am hinteren Ende fest, schiebt ein Stück des Stoffes auf die Nadel, hält sie nun vorne fest und zieht den Stoff nach hinten. So rutschen Nadel und Kordel Stück für Stück nach vorne.

Alternativ könnt ihr es auch mit einer Schere versuchen, aber ich finde, da kann man viel mehr mit kaputt machen, wenn man nicht aufpasst; Kordelkanal wie die Kordel selbst. Hierfür zieht ihr den ganzen Kanal über die geschlossene Schere, klemmt anschließend die Kordel zwischen die Beine der Schere (sofern sie denn noch aufgeht, heißt das … ) und zieht sie zurück:

Seid ihr beim einen Ende angekommen, schiebt ihr die Kordel im anderen Kanal in die entgegengesetzte Richtung zurück, sodass ihr zwei lose Enden auf der einen und auf der anderen Seite ein „umschlossenes“ Ende (unteres Bild) habt.

Ihr seht das untere Bild, ja? Von dort startet ihr nun mit der gleichen Prozedur, sodass ihr am Ende auch hier zwei lose Enden haben werdet:

Nun die Enden auf eine Höhe bringen und bei Bedarf auch kürzen, falls sie euch zu lang erscheinen. Abschließend knotet ihr nur noch die Enden an den Enden der Kordeln zusammen:

Und fertig seid ihr mit der Tasche (und höchstwahrscheinlich auch mit euren Nerven (o; )

Jetzt fehlt nur noch eure Box, die schon sehnsüchtig auf ihr neues Zuhause gewartet hat:

Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim Nähen und beim Verfolgen dieses Tutorials. Falls euch Ungereimtheiten, Fehler oder Ähnliches auffallen oder ihr einfach Verbesserungsvorschläge habt, würde ich mich über jeglichen Hinweis freuen.
Und über Feedback sowieso =o)

 

 

3 Antworten zu Bentotasche nähen für Dummies

  1. Jenni-chan sagt:

    Die Tasche ist voll niedlich! 😀
    Ich werde versuchn auch mal diese Tasche zumachen, denn diese Anleitung ist echt einfach nach zu vollziehn und man muss diese Niedlichkeit einfach besitzen 😀

  2. Anabell sagt:

    Hey das ist eine super süße Tasche, ich bin gerade dran sie zu nähen, aber habe ein Problem, beim Umlegen des Außenstoffs Reich ein 1 cm breiter Streifen nicht, es müssen 2 cm, da sich zumindest bei mir, mit nur einem cm der Außenstoffs und der Innenstoff nicht berühren, aber vielleicht ist da mir auch ein Fehler unterlaufen XD, ansonsten DANKE für die tolle Anleitung, hab ewig nach sowas gesucht \( ̄▽ ̄)/
    LG
    Anabell

    • Jenny sagt:

      Liebe Anabell,
      vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar! Er kam wirklich unerwartet und daher freue ich mich umso mehr. Je nach Stoffart kannst du auch 1 cm nehmen, er sollte nur nicht schnell ausfransen, dann geht das. Ich hoffe, du hast deinen Beutel trotz meiner sehr späten Antwort fertig stellen können. =)

      Liebe Grüße,
      Jenny

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